Geschichte

Einst durchfloss die Zschopau ein einsames Engtal voller Bäume mit beachtlichen landschaftlichen Reizen. Nur eines deutete überhaupt daraufhin, dass es so etwas wie „Menschen“ überhaupt gab: Vor Kriebethal thronten auf der einen Seite des Flusses auf schroffem Fels die Burg Kriebstein und auf der anderen Seite das Schloss Ehrenberg.

Ansonsten gab es im Tal kaum Besiedlung. Die benachbarten Ortschaften lagen alle oberhalb der Hänge. Lediglich die Lauenhainer Mühle, zu dieser Zeit eine Pappenfabrik und als Gaststätte beliebtes Ausflugsziel der Mittweidaer Studenten, störte das natürliche Bild ein wenig.

Genau diese Merkmale waren es jedoch auch, die den Sächsischen Staat auf den Plan riefen. Bereits 1909 entstand der Plan, die Wasserkräfte der Zschopau intensiv zu nutzen – für den Menschen. Das ausgewählte Gebiet zwischen dem Ortsteil Weißthal der Stadt Mittweida und Kriebethal nahe Waldheim mit einem Gefälle von reichlich 20 Metern auf wenigen Kilometern war Ideal für eine Talsperre. Als in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg viele derartiger Anlagen in Auftrag gegeben wurden, fiel die Wahl daher unter anderem auf diese Region.

Das klingt nach einem furchtbaren Eingriff in diese Idylle, doch mit diesem Schritt wurde es überhaupt erst möglich, dass die Talsperre Kriebstein zu dem Besucherziel wird, das sie heute ist.

Ein Opfer kostete dies allerdings gleich zu Beginn: Die Lauenhainer Mühle lag genau in dem Bereich, in dem später das Wasser der Talsperre sein sollte. Sie wäre also einfach hinweg gespült worden. So musste das beliebte Ausflugsziel weichen. Allerdings zugunsten einer Vielzahl neuer Möglichkeiten.

Der Bau der Talsperre begann im Mai 1927. In dieser Zeit waren viele Menschen ohne Arbeit. Darum hatte die Reichsregierung viele Mittel für die Erwerbslosenfürsorge bereit gestellt. Den Ländern wurden  so bei der Durchführung großer Notstandsarbeiten viele Hilfen gewährt. Auch das Projekt „Talsperre Kriebstein“ fiel darunter. Neben dem Stammpersonal der ausführenden Firma Wayss & Freytag fanden zahlreiche mittelsächsische Arbeitslose eine Beschäftigung.

Vieles wurde in Handarbeit gemacht. Darum wurden natürlich auch viele Hände benötigt. Zeitweise waren es bis zu 1200, also 600 Mitarbeiter.

Bis die Mauer gegossen werden konnte, dauerten alleine die Vorbereitungsarbeiten schon ein ganzes Jahr. Große Mengen Lehm und Abraum mussten auf der Kriebsteiner Seite beseitigt werden. Diese Schicht war bis 12 Meter dick! Dann erst kam gesunder Fels zu Tage, auf dem gebaut werden konnte. Der Fels auf der gegenüberliegenden Seite, am Ehrenberger Hang, war stark verwittert und zerklüftet. Deswegen reichte es nicht, so weit abzutragen, wie es zunächst geplant war. Stattdessen musste man deutlich in den Hang hineinarbeiten. Erst im Juni 1928 konnte mit dem Betonieren der Mauer begonnen werden. Dies dauerte bis Oktober 1929. In Höfchen wurde eine neue Straße errichtet. Über diese konnte man die Baustelle an der heutigen Gaststätte „Seeterrassen“ erreichen. So gelangten Lieferungen an das Gebiet der heutigen Talsperre.

Dort wurde auch der Steinbruch erschlossen und ein Brecherwerk errichtet. Über deren Fundamenten befindet sich heute die Aussichtsplattform. Mittels Feldbahnen gelangten diese Zuschlagstoffe dann in die Silos neben der Staumauerzone. Um das Bindemittel anzutransportieren, wurde 1928 eine 1600 Meter lange Seilschwebebahn von der Reichsbahn-Verladestation Kriebethal über den Buchberg zur Baustelle errichtet.

Im Dezember 1929 war es dann soweit: Der Anstau konnte beginnen. Am 27. Dezember hatte das Wasser die Reste der Lauenhainer Mühle erreicht.

Wie wird eine technische Einrichtung zu einem Naherholungsgebiet? Gleich mit der 1. Saison (1930) wurde die Talsperre zum Besuchermagnet. Neue Gaststätten öffnen in Kriebstein noch im gleichen Jahr bzw. ein Jahr später. Dann folgt auch das Strandgasthaus Falkenhain. Das Waldhaus Lauenhain erlebt einen regelrechten Boom und wird mehrfach erweitert, nachdem es zuvor aus allen Nähten platzte. Auch andere Gaststätten in der näheren Umgebung profitieren hiervon natürlich.

Bereits 1933 sind zu Pfingsten alle Wanderwege fertiggestellt. Zeitgleich entdecken die Angler die Möglichkeiten der Talsperre. Es entstehen spezielle Anglerheime, damit jeder nach Lust und Laune seinem Hobby frönen kann.

Um die Anziehungskraft des Wassers gänzlich auszunutzen, entstehen schließlich Badeanstalten in Kriebstein, Falkenhain und der Mittweidaer Aue. Da die vielen Besuchern irgendwo schlafen müssen,  werden erste Zeltplätze ins Leben gerufen. Bald schließen sich auch erste Wochenendsiedlungen an.

Bald gründen sich erste Wassersportvereine.

Dieses Blühte wird schließlich von der Zeit des Nationalsozialismus gestört, denn natürlich geht dieser auch an einem Idyll wie der Talsperre Kriebstein nicht spurlos vorbei. Das Talgut Lauenhain wird zum SA-Lager. Zu Übungszwecken wird das Ausbildungsschiff „Niobe“ gebaut. Noch heute zeugt es an Land von dieser Zäsur in der Geschichte.

Seit 1940 gilt die Talsperre als Landschaftsschutzgebiet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gilt sie schon bald wieder als beliebter Ort der Naherholung. Da ein Zelt die preiswerteste Urlaubsübernachtungsmöglichkeit ist, verbreitet sich dies rasch wieder – auch an der Talsperre. Schließlich kann man hier an einem heißen Sommertag einen Urlaub mit Karibikfeeling genießen, ohne viel Geld für eine weite Reise in die Hand nehmen zu müssen.

In Höfchen wird ein Lager der SDAG Wismut eingerichtet. Außerdem entstehen neue Siedlungsgebiete in Erlebach, Lauenhain und in der Mittweidaer Aue. Damit sich die munteren Zelter nicht allzu sehr zerstreuen, wird ein „Zentrales Zeltlager Kriebstein“ ins Leben gerufen, mit einer Außenstelle in Falkenhain. Ende der 60er Jahre ist Falkenhain Zelt-Jugendherberge, 1972 erhält sie jedoch erste Bungalows.

Das Talgut Lauenhain wird GST-Marinestützpunkt.

Die Bäder müssen leider nach und nach schließen, bis die Talsperre schließlich kein Badegewässer mehr ist.

1990 muss die Staumauer erstmals saniert werden. Erst 1996 kann das Wasser wieder voll angestaut werden. Inzwischen ist der Zweckverband Kriebstein Talsperre e.V. Pächter der Wasserfläche.

Ein trauriges Ereignis kann das Jahr 1996 aufweisen: Die Gaststätte in Kriebstein brennt nieder und muss neu errichtet werden. Erst 1998 kann sie wieder eröffnen.

Die Geschichte des Zweckverbandes Kriebsteintalsperre ist im Zusammenhang mit der historischen Entwicklung des Talsperrengebietes zu sehen:
Zwischen 1927 und 1929 wurde die Staumauer zum Zweck der Energiegewinnung und des Hochwasserschutzes errichtet. Sie staut die Zschopau, einen Nebenfluss der Mulde,  zwischen den Städten Mittweida und Waldheim. Bereits ab 1930 fuhren die ersten Boote und später Fahrgastschiffe auf dem Stausee. Die Hochwasserschutzfunktion verlor die Talsperre aufgrund des zu geringen Stauraumes, der in Folge des hohen Sedimenteintrages – die Talsperre hat keine Vorsperre – stetig weiter abnahm.

Die Nutzung für Erholungszwecke trat immer weiter in den Vordergrund und die ersten Wochenendhäuser entstanden. Nach dem zweiten Weltkrieg behielt die Talsperre diese touristische Funktion, der Schifffahrtsbetrieb wurde zu einem Volkseigenen Betrieb Naherholung  (VEB).

Nach der politischen Wende schlossen sich 1991 die Anliegergemeinden zu einem kommunalen Zweckverband zusammen und übernahmen von der Treuhand die aus dem VEB Naherholung hervorgegangene Erholungscenter GmbH.

In den vergangenen Jahrzenten entwickelte sich der Zweckverband zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in Mittelsachsen. Mit Erlösen von rd. einer Million Euro trägt er wesentlich zur Wertschöpfung der Region bei. Die Marketingmaßnahmen stärken die Funktion als Naherholungsziel und sind damit ein wichtiger Beitrag zur Existenzsicherung vieler Betriebe.

Ersatz und Modernisierung der Hafenanlage Kriebstein

  • Baubeginn: 20.07.2020
  • Gesamtfertigstellung: Dezember 2021
  • Pflasterflächen: 801m^2
  • Länge der Ufermauer (Spundwand): 112m
  • Länge der Stützwand aus Winkelstützen: 57 m
  • Eingebaute Entwässerungsleitungen: ca. 80 m
  • Eingebaute Trinkwasserleitungen: ca. 230 m
  • In der Promenade eingebaute Elektroleitungen (Beleuchtung, Information): 3.200 m
  • Abwasserpumpstation: 1
  • Abwasserschächte: 2
  • Sitzbänke: 20
  • Papierkörbe: 5
  • Pflanzkübel: 6
  • Länge des Ufer- und Steggeländers: 261 m
  • Tore: 10
  • Bäume: 6

Die notwendige Sanierung des Hafens war allen Beteiligten spätestens seit dem Ablassen der Talsperre 2005 bekannt. Im Interesse der Fortführung der Arbeiten an der Seebühne und der Aufwertung des Besucherzentrums musste dies zurückgestellt werden. Ufermauer und vor allem der Fähranleger konnten nur notdürftig repariert werden. Nach mehreren Eisgängen und dem Hochwasser 2013 war der Steg einsturzgefährdet, die Ufermauer rutschte immer mehr in Richtung Talsperre ab. Sicherung bzw. Neubau waren dringendst erforderlich.

Mit den Voruntersuchungen wurde dann 2017 begonnen. Zuerst war ein Baugrundgutachten erforderlich, um festzustellen, ob die angedachte Erneuerung der Ufermauer als Spundwand möglich ist.

Ursprünglich waren nur die zur Sicherung des Fährverkehrs dringensten Maßnahmen vorgesehen:

  • Erneuerung des einsturzgefährdeten Fähranlegers
  • Erneuerung der Ufermauer an gleicher Stelle
  • Sanierung der maroden Freitreppe
  • Ersatz der undichten Schmutzwassergrube durch eine Abwasserpumpstation

Im Zuge der Planung kamen dann noch weitere Wünsche dazu. Der Aufzug war schon 2011 bei der Planung des Besucherzentrums im Hinterkopf. Allerdings haben wir damals so etwas aus Kostengründen kaum zu träumen gewagt. Die Beschaffung der Fördermittel war auch damals ein sehr langwieriges Ringen. Umso schöner ist es, dass das Aufzugsgebäude nun geplant werden konnte und inzwischen sogar realisiert ist.

Neben dem Aufzugsgebäude wurde die Uferpromenade sowohl see- als auch landseitig breiter geplant. Sie ist damit wesentlich großzüger als der ursprüngliche schmale Uferstreifen. Weiterhin wurde der Uferbereich mit Wasserbauschotter der Baustraße bis zum Bootssteg aufgefüllt.

Am 20.7.2020 konnte dann endlich mit den Arbeiten begonnen werden. Kurz nach Baubeginn stellte sich heraus, dass trotz umfangreicher Baugrunduntersuchung die Tragfähigkeit für die Ramme zu gering war. Es musste zusätzlich eine 66 m lange mit Spundwandbohlen gesicherte Fahrspur eingebaut werden. Dies hatte erhebliche Auswirkungen auf den weiteren Aufbau der Promenade. Die Pflasterfläche der Promenade musste auf einer durchgängigen Betonplatte gegründet werden.

Weitere Kostenerhöhungen traten bei der Entsorgung des Aushubmaterials im Uferbereich auf. Der Uferbereich wurde 2017 erstmalig nach LAGA 2004 beprobt und der Klasse Z1.2 zugeordnet. Die erneute Beprobung 2020 ergab Z2. Die Aushubmenge von 1.050 t musste auf eine Deponie bei Rochlitz transportiert werden. Insgesamt wurden ca. 3.300 t Erdstoff und Abbruchmassen entsorgt.

Eingebaut wurden in der Summe ca. 2.300 m³ Schotter und Wasserbausteine, wobei ein Teil des Materials mehrfach verwendet wurde. Das Schottermaterial der Baustraße konnte zur Uferverfüllung am Bootssteg und zur Hinterfüllung der Winkelstützen sowie als 1. Tragschicht der Uferpromenade wiederverwendet werden. Zwischenlagerung und Transporte im schmalen Baubereich waren eine große logistische Herausforderung. Für einen Teil des Materials musste der Parkplatz an der Kriebsteiner Straße zur Zwischenlagerung genutzt werden. Damit waren erhebliche Transporte verbunden.

Die alte Ufermauer aus Stahlbeton, Betonplatten und Naturstein wurde durch eine Wand aus Spundwandprofilen ersetzt. Die Spundwand ist mit insgesamt 18 Verspannungen auf der gesamten Strecke mit weiteren in den Boden eingebrachten Spundwänden rückverankert. Auch das Aufzugsgebäude wird für die Verankerung der Ufermauer genutzt. Die neue Ufermauer hat eine Länge von 112 m. Der alte Uferweg zwischen dem Anleger der Hainichen und dem Fähranleger hatte eine Fläche von ca. 600 m², wobei zum Fähranleger die Schienen der Slipanlage betreten werden mussten. Die neue Promenade mit dem Zugang zum Fähranleger ist jetzt durchgängig gepflastert. Sie hat eine Fläche von 818 m².

Der einsturzgefährdete Fähranlager wurde abgebrochen und neu errrichtet.  6 Stahlbetonfertigteile wurden auf  7 Rammpfählen aufgelegt und mit Beton vergossen. Gegenüber der ursprünglichen Länge von 24 m hat er jetzt eine Länge von 27 m (ohne Widerlager). Die Rammpfähle wurden am 17.8.2020 mit Freireiter und 400 t Autodrehkran eingebracht. Dieser Kran kam auch für den anschließenden Einbau der temporären Spundwand am Kassenhaus, für die Spundwand am Liegeplatz der Hainichen sowie am 2.10.2020 zur Montage der Stegfertigteile zum Einsatz. Der größte Teil der Spundwände wurde allerdings mit einer Mobilramme ABI TM 13/16 eingebracht, da mit dieser ein wesentlich präziseres Arbeiten möglich ist als mit einer freireitend am Kranausleger hängenden Ramme.

Rohbauseitig fertig war der Steg im Oktober 2020, einschließlich Geländer, Zugang und Sportbootanleger konnte er am 1.5.2021 seiner Bestimmung übergeben werden. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Fährverkehr wieder aufgenommen.

Am 14.6.2021 war dann die Promenade soweit fertiggestellt, dass auch sie wieder genutzt werden konnte.

Im Bau waren zu diesem Zeitpunkt noch das Aufzugsgebäude, die Freitreppe und Asphaltflächen. Ausstattungselemente wurden erst später geliefert.

Der gesamte Bau wurde von den Covid19 verursachten Maßnahmen beeinflusst. Zum Anfang hatte das durchaus positive Auswirkungen. Mit der Einstellung des Schiffsverkehrs konnte etwas vorfristig begonnen werden. Die sehr knapp bemessene Bauzeit wurde verlängert, da der Schiffsverkehr ohnehin nicht möglich war. Später jedoch gab es erhebliche Behinderungen durch Krankheitsausfälle in den Baubetrieben, aber auch durch erheblich verlängerte Lieferzeiten, insbesondere bei Betonfertigteilen.

Vielen Dank an Landschaftsplanungsbüro Dipl.-Ing. (FH) Christian Köhler für diese textliche Zuarbeit.

Diese Baumaßnahme wurde mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Dieses Vorhaben wurde im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe ‚Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur‘ mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Deutschen Bundestag beschlossenen Haushaltes.

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